AllgemeinEingaben

Eingabe Beispiel aus Gladebeck

Landkreis Göttingen
Fachbereich Bauen, Zimmer 334
Reinhäuser Landstraße 4
37083 Göttingen

Eingabe zum Genehmigungsverfahren Aktenzeichen 61 61 35 99

Um später mein Klagerecht ausüben zu können, lege ich hiermit meinen Einspruch gegen das o.g. Vorhaben ein.

Sehr geehrte Damen und Herren,
heute wende ich mich an Sie, um eine Eingabe gegen die geplanten Windräder in unserer Nähe abzugeben. Sicher, es gibt heute einige Interessengruppen und Lobbyisten, die Windräder haben wollen. Sie wittern die Milliarden € aus den EEG. Eine Frechheit, wie hier Gelder bezahlt werden, für Anlagen, die aufgrund des Standortes ständig still stehen müssen. Aber das ist sicher an anderer Stelle zu diskutieren. Hier geht es um drei Windräder, die mich und die Natur zu stark beeinträchtigen, so dass sie nicht genehmigt werden dürfen.

Die Windräder sollen eine Narbenhöhe von 169m bekommen. Es ist noch nicht ansatzweise geklärt, ob Anlagen dieser Größe die Grenzwerte zur Verträglichkeit einhalten können. Da der Anbieter dieser Anlagen keine eigenen Messungen in Auftrag gegeben hat, sondern einfach Messungen, die Normen für kleinere Anlagen enthalten, prolongiert hat, ist diese Anlage an sich überhaupt nicht genehmigungsfähig. Aber erst Recht nicht hier im Leinetal.

Ich wohne seit 15 Jahren hier in Gladebeck. Vorher wohnte ich in einer Großstadt ca. 100m von einer Bundesstraße entfernt. Ich musste meine Wohnung und meinen Arbeitsplatz wechseln, weil ich nachts nicht mehr vernünftig schlafen konnte. Der ständige Krach der Straße ging auf meine Gesundheit und beeinflusste mich auch in meiner Arbeitsproduktivität. Mein damaliger Hausarzt empfahl mir einen Wohnungswechsel und, weil ich auch an einem lauten Arbeitsplatz arbeitete, einen Arbeitsplatzwechsel. Nach diesen beiden Wechseln landete ich in Gladebeck und in Göttingen (Arbeitsplatz) und meine Gesundheit verbesserte sich innerhalb eines halben Jahres.

Ich gründete hier in Gladebeck eine Familie und bekam mit meinem Mann zusammen zwei Kinder, die nun in die Schule gehen. Beruflich konnte ich meine anspruchsvolle Tätigkeit in Göttingen gut erledigen, so dass ich auch zur Teamleitung befördert wurde. Es ist schon besser ausgeschlafen zur Arbeit zu gehen. Die geplanten WKA würden meinen Schlaf wieder beinträchtigen, so dass ich davon ausgehen muss, dass ich auf Dauer nicht mehr den Anforderungen dieses anspruchsvollen Arbeitsplatzes in unserer Universitätsstadt gewachsen sein werde.

Aber auch unsere Kinder werden durch die WKA bedroht. Vermutlich reagieren sie genau so auf den Krach der WKA mit einer Nabenhöhe von 169m wie ihre Eltern. Bluthochdruck und Konzentrationsschwäche sind die Folgen, die dann medizinisch behandelt werden müssen. Aber wie wird ich auch diese Lärmbelästigung auf das Zusammenlaben in unserer Familie auswirken? Menschen, die von den 140m-Durchmesser Rotorblättern-Emmissionen nicht in so lange Tiefschlafphasen kommen können, werden sicher gereizt und weniger produktiv. Darum sind diese WKA auf jeden Fall nicht genehmigungsfähig.

Mein Mann hat bereits jetzt behandelten Bluthochdruck und ist deswegen besonders gefährdet, ihm werden schon kleine Änderungen durch Krach und Infraschall das Leben in unzumutbarer Weise verändern. Klinische Studien haben bewiesen, dass die Herzleistung durch WKA negativ (-20%) beeinflusst wird. Die Anlagenbetreiber nehmen hier in ihren Plänen keinerlei Rücksicht auf die Kranken und Schwachen in unserer Gesellschaft.

Auch meine Nachbarin ist durch einen Schlaganfall stark beeinträchtigt, die WKA werden auch ihre Lebensqualität arg verschlechtern. Meine Sozialen Kontakte werden also leiden, was natürlich auch meine Lebensqualität aber auch meine Produktivität erheblich beeinträchtigen wird.

Derzeit gehe ich morgens mit unserem Hund eine gute halbe Stunde spazieren. Mein Hausarzt empfahl mir, vor meiner Fahrt nach Göttingen zum Arbeitsplatz, um meiner Gesundheit zuträglich zu handeln. Wenn diese drei zu nahen WKA gebaut würden, so könnte ich insbesondere in den Monaten, in denen mit Eiswurf zu rechnen ist, nicht mehr vor der Arbeit spazieren. Meine Lebensqualität aber auch mein beruflicher Erfolg und der meines göttinger Arbeitgebers würden erheblich leiden.

Die WKA würden aber auch an anderen Tagen mir das Naherholunggebiet im Gladebecker Süden rauben. Da auch Hochvoltanlagen in der Gegend gebaut werden sollen, verliert Gladebeck von allen Himmelsrichtungen die Naherholungsmöglichkeiten. Diese WKA, dürfen aber uns gut 1000 Gladebeckern nicht die Lebensqualität komplett zerstören. Auch wir benötigen Naherholungsgebiete!

Die geplanten WKA sollen so nah gebaut werden, dass ich im Tagesverlauf mit ca. 40 Minuten Schlagschatten rechnen muss. Die Anlagen müssten aufgrund des Fehlgeplanten Standortes dann abgeschaltet werden, wenn ich über 30 Minuten Schlagschatten erfahren hätte. Diese WKA sind darum mehr am stehen als am drehen. Gladebeck aber auch die anderen Nachbarorte werden hier zu stark beeinträchtigt, oder aber die WKA stehen, statt unseren Strombedarf zu decken. Der Anlagenbetreiber möchte für diese Abschaltzeiten dann trotzdem Geld aus den EEG bekommen. Für mich ist das ein klarer Subventionsbetrug, wenn Investitionen getätigt werden, die nicht arbeiten, sondern von Vornherein auf Ausgleichszahlungen abzielen. Darum sollte die demokratisch legitimierte Institution: Kreistag diese WKA nicht zu Lasten der Menschen des Leinetals genehmigen.

Beruflich aber auch privat kenne ich mich mit den Tieren der Heimat aus. Ich freue mich sehr über die Natur hier in unserem Leinetal. Ich treffe mich oft mit Freunden und Arbeitskollegen um hier die Natur zu beobachten. Die Rotmilane fliegen hier im Gladebecker Leinetal sehr oft und machen die Sommermonate immer wieder zu faszinierenden Ereignissen. Gerade wenn die Rotmilane Beute gefunden haben und Krähen und Sperber ihm diese wieder abjagen wollen, können hier an den Kreisgrenzen zwischen Northeim und Göttingen hervorragende Beobachtungen vorgenommen werden, die den Kindern auch im Unterricht hilfreich sind. Aber nicht nur der geschützte Rotmilan ist hier zu beobachten. Baumfalke, Mäusebussard, Turmfalke, Sperber Weiß- und Schwarzstorch sind hier zu beobachten. Das Leinetal hat an seiner Göttinger-Nordgrenze ein Vogelschutzgebiet am V-Holz, welches effektiven Naturschutz erbracht hat, so dass hier Tiere gut leben. Dieser Lebensraum darf nicht gefährdet werden, indem hier WKA aufgestellt werden, die die Vögel massenweise erschlagen werden.

Aber nicht nur Vögel kann ich in unserem Naherholungsgebiet beobachten, auch andere bedrohte Tierarten wie der Feldhamster oder die Geburtshelferkröte sind nachweisbar. Die Geburtshelferkröte kann durch ihr typisches piepen einfach herausgehört werden. Es ist schon was besonderes, wenn man weiß, dass diese stark gefährdeten Tiere bei uns einen Zufluchtsort gefunden haben. Die Geburtshelferkröte würde durch die Zufahrtswege zu den WKA definitiv ausgerottet in unserem Leinetal. Das typische Piepen würde für immer verstummen, wenn diese WKA an diesem Standort gebaut würden.

Der Feldhamster ist eher selten zu beobachten, ich konnte hier aber schon seine Baue oder Geburtshöhlen an den Rändern der Felder sehen. Der Feldhamster ist ein Indikator für eine Natur, die wir uns auf jeden Fall erhalten müssen. Wird der Hamster vertrieben, so fehlen dem Milan und den beiden Storchenarten wichtige Glieder in der Nahrungskette. Natur hängt ja miteinander zusammen.

Die in Harste geplanten WKA sind aber nicht nur direkt für die Tiere und deren Lebensräume eine Bedrohung. Die Eingriffe durch die Zuwegung in den Naturschutz-, Wasserschutz- und Vogelschutz-Gebieten würden die jahrelangen Naturinvestitionen dauerhaft zerstören. Unser V-Holz ist eine Perle in der Region und hätte niemals auch nur für Zuwege für WKA in Betracht gezogen werden dürfen. Im Gegenteil, diese Schutzgebiete sollten dringend von den beteiligten Landkreisen erweitert werden. So könnten wir Anwohner aber auch die Natur und insbesondere der Artenschutz hiervon profitieren.

Unser Leinetal ist ein relativ windarmes Tal. Weswegen der Anlagenbetreiber auch die höchsten WKA aufstellen möchte. Denn ab einer Höhe von 200m herrschen ganz andere Winde als wir es hier auf dem Boden wahrnehmen. Diese hohen Anlagen mit einer Gesamthöhe von ca. 240m also einem vielfachen der höchsten Punkte hier in Gladebeck wird die Landschaft so stark beeinflussen, dass sich die Natur und auch die Quartiere erheblich verändern werden. Schützen Sie Mensch und Tier vor der Zerstörung auf Konsten der EEG-Zahler.

Vielen Dank
Monika Mustermann
Musterstraße 10
37181 Gladebeck